Später – oder vielleicht doch gar nicht?

Ich hatte es bereits fast schon geahnt. die elektronische Lohnsteuerkarte startet „später“ (Mitteilung des BMF) ich vermute jedoch fast, sie wird ein ebenso kurzes Ende erfahren, wie das ELENA Verfahren.

Gründe für diese Annahme? Naja erstmal sollte ja jeder Bürger bis spätestens Ende November 2011 ein entsprechendes Schreiben seines Finanzamtes erhalten über die „Steuermerkmale“, die der Arbeitgeber fortan über ELSTAM abrufen können sollte. Dieses Schreiben fehlt bei mir bis heute – also Anfang Dezember. Und ich weiss aus meiner Familie, dass dieses Schreiben auch bei einigen anderen Leuten noch fehlt.

Allein wenn es schon nicht möglich ist, ein analoges Schreiben rechtzeitig zu erstellen und zu versenden, ist mir bereits klar, dass man nicht in der Lage sein wird, die Voraussetzungen für ein auf IT gestütztes System hinzubekommen.

Es ist natürlich auch nicht so einfach. Zunächst einmal müsste man dazu einen Standard definieren und eine Schnittstelle (API) programmieren, die diesen Standard empfangen bzw. senden und somit verarbeiten kann. Anschließend müsste man diesen Standard den Herstellern von „Buchhaltungssystemen“ bereitstellen, damit diese den in ihre Software integrieren können. Zudem bedarf es danach etwas Geduld – nicht jeder Hersteller wird es sofort implementieren und nicht jede Unternehmung sofort ihre Software „erneuern“.

Die Zwischenzeit ließe sich perfekt nutzen um in einem angemessenen, repräsentativen Rahmen das System zu testen. Anbieten dafür würden sich große Unternehmen, die an mind. einem Standort mehrere tausend Mitarbeiter beschäftigen. Dadurch bildet sich automatisch ein Querschnitt über unterschiedliche Merkmale – verheiratete, ledige und geschiedene, mit Kindern oder ohne, schwerbehindert oder nicht und mit bzw. ohne Steuerfreibeträge aus anderen Gründen auf der Lohnsteuerkarte vermerkt. Somit kann dann auch „getestet“ werden, ob alle Merkmale korrekt übertragen bzw. gesetzt werden. Ist diese Testphase abgeschlossen, sollte man das ganze auf einen Finanzamtsbezirk ausweiten. Erst danach wäre das System „reif“ für einen bundesweiten Einsatz.

Bis dahin ist auch genügend Zeit vergangen um die Implementierung in den Unternehmen voranzutreiben – allein: Für kleinere Unternehmungen sollte noch ein Ausweichsystem existieren. Schlichtweg schon deswegen, weil sich für ein bis zwei abzurechnende Mitarbeiter größere Lohnabrechnungssysteme nicht rechnen. Aber dies könnte dann auch über z.B. das ELSTER Programm angeboten werden. Zeitlich gesehen würde ich dafür mind. fünf, vielleicht besser noch zehn Jahre ansetzen, um das System umfassend zu integieren. Schon aber für die Zeit der Planung und Erstellung muss aber ein Support eingerichtet werden, der potentielle Kunden bzw. Verwender (also auch die systemintegrierenden Softwarefirmen) sachkundig beraten kann.

Auf den Seiten des Bundesfinanzministeriums ist unter oben benanntem Artikel sogar noch von einer „Lohnsteuerkarte 2010“ die Rede. Tatsächlich gab es aber schon nur eine „Lohnsteuerkarte 2009“ die für das Jahr 2010 in ihrer Gültigkeit verlängert wurde. Insofern zweifle ich ein wenig daran, dass man überhaupt noch recht durchblickt, wie weit das Verfahren überhaupt schon ist und wie man es schnellstenfalls an den Start bekommt. Im Endeffekt nehme ich also stark an, das Verfahren ereilt ein ähnliches Schicksal wie zuvor das ELENA-Verfahren.

Von admin

Der Umstand, fast als Aprilscherz 1982 geboren zu sein, spiegelt sich in der humoristischen Veranlagung von Dennis wider. Seit seinem 16. Lebensjahr erfüllt sich diese "Begabung" auch immer wieder in Kurzgeschichten und Gedichten, die um die Jahrtausendwende zeitweise sogar Eingang in kleinere Literaturmagazine fanden. Mit dem Blog WortErZähler versucht er nun, sich wieder verstärkt dem Hobby "Schreiben" zu widmen und dabei zeitgleich eine Brücke zu modernen Kommunikationsmöglichkeiten zu schlagen.

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